20 August, 2019 Flurina Schnyder

Besuch in der Glaserei mit Künstler Alexander Deubl

Der Münchner Künstler Alexander Deubl führte uns kürzlich, in Begleitung von Kunsthistorikerin und Kuratorin Florentine Rosemeyer (Rosemeyer Art Advisors), durch den Glasereibetrieb Glas Spiegel Deubl, der schon seit sechs Generationen in den Händen seiner Familie ist. Hier fertigt der ausgebildete Glaser und Absolvent der Akademie der Bildenden Künste München, im Rahmen seiner Arbeit (S)triptychon, faszinierende interaktive LED-Lichtobjekte aus Glas. Wir nutzten die Gelegenheit und stellten ihm ein paar Fragen zu seiner Arbeit:

Alexander Deubl und Florentine Rosemeyer vor einem seiner Werke

Deinen Kunstwerken liegt oftmals ein handwerkliches Element inne. Handwerk – Was bedeutet das für dich und worin liegt der Unterschied zur Kunst?

Der Unterschied vom Handwerk zur Kunst liegt für mich darin, dass ein Kunstwerk nicht immer durch Perfektion bestechen muss, um eine Aussage treffen zu können. Beim Handwerk ist in der Regel die Präzision sehr wichtig, jedoch werden selten die Inhalte der Arbeit hinterfragt, beziehungsweise bleiben diese fast immer gleich: Lebensdauer, Nachhaltigkeit, Herkunft.

Speziell bei meinen Lichtobjekten ist es jedoch so, dass diese aus vielerlei hochgradig handwerklichen Komponenten bestehen, aus denen sich ein künstlerisches Gesamtbild entwickelt. Da gibt es die Komponente der richtigen LED-Installation, das Beherrschen der dafür notwendigen Software, um diese zu bedienen, das Erstellen von Lichtabläufen mit einem Mix aus Photoshop, Aftereffects, VJ-Programmen und der Kopplung zum Lichtprogramm sowie der technischen Planung am PC. Das Glaserhandwerk kommt dabei schon fast am Ende der Kette.

Inwiefern beeinflusst dein Hintergrund als gelernter Glaser deine Werke?

Grundsätzlich hat eine abgeschlossene Handwerksausbildung den Vorteil, dass man sofort Ansätze für eine Umsetzung einer erdachten Idee parat hat. Das wirkt sich auch auf die Ausführung aus: Egal mit welchem Material ich letztlich arbeite, bin ich dadurch in gewisser Weise präziser in der Ausführung, aber auch mit banalen Dingen wie Aufhängungen und dem Anbringen einer Arbeit an der Wand. Zudem ist es eine Stärke von mir, mit dem zu Arbeiten was mir zur Verfügung steht und die Möglichkeiten zu nutzen.

Des Weiteren beeinflusst mich die Handwerkliche Ausbildung insofern, dass ich grundsätzlich eher haptischer in meiner Wahrnehmung und Ausführung bin. Für mich würde sich das aus der Hand geben der Prozesse an andere Handwerker nicht rechnen, beziehungsweise würde es meine Arbeiten aufgrund ihrer Komplexität dreimal teurer machen. Zudem macht es mir sehr viel Spaß mit dem Material Glas zu arbeiten, da es in seiner Anwendung so vielseitig ist und ich fast bei jeder Arbeitssession auf etwas Neues stoße.

Alexander Deubls Lichtobjekte in voller Pracht.
Foto: Trommeter-Szabó

Alexander Deubl fasziniert durch die Integration komplexer handwerklicher Elemente in seine Werke, die er selbst fertigt. Hierbei hilft ihm sein Hintergrund als gelernter Glaser: Seine Familie betreibt seit mehreren Generationen eine Glaserei. Auch er hat diese Fertigkeiten im Familienbetrieb und der Glasfachschule ausgebildet und kann bis heute auch die Ressourcen des Betriebs zurückgreifen, um seine Kunstwerke zu fertigen.

Aber er ist nicht nur ein „Glaskopf“ – er arbeitet über seine Kerndisziplin hinaus. Er ist in erster Linie ein Künstler – der auch mit Glas arbeitet. Er hat mehrere Themenfelder und dockt an diverse große Glas- und Lichtkünstler an, die er bewundert, wie Olafur Eliason, in dessen Glasarbeiten Architektur und Licht, Wasser und Sphären verschmelzen.

Deubls vielseitiges Denken jedoch basiert und kehrt immer wieder zurück zu seiner Identität: Bayern, die Lengrieser Berge, mit Schnee und Eis, die Stadt München und Kultur mit ihrer Mode, Musik, Film und Technik.

Florentine Rosemeyer
Alexander Deubl zeigt, wie Spiegelglas geschnitten wird

In manchen deiner Werke verwertest du Elemente alter Fassaden von Bürogebäuden wieder. Welche Rolle spielt für dich Nachhaltigkeit?

Die Frage der Nachhaltigkeit beschäftigt mittlerweile immer mehr Menschen. Nur weiß niemand so richtig, wie er/sie das für sich selbst anstellen soll. Ich finde in der Kunst wird allgemein noch recht verschwenderisch gearbeitet. Andererseits sind viele Dinge auch dafür gemacht, ewig zu halten. Glas benötigt beispielsweise relativ viel Energie in der Erzeugung, kann aber auch verhältnismäßig gut recycelt werden. Bei der Bearbeitung fallen immer einige Quadratmeter an Kunststofffolien Müll für die Sandstrahlarbeiten an. Und auch die LEDs sind nicht gerade super umweltfreundlich. 

Mit den Bürogebäuden ist es für mich, als würde ich ein Stück Beton aus der Berliner Mauer raushämmern. Diese Art von Architektur steht für mich wie Denkmäler seiner Zeit, nie zuvor gab es eine solche Architektur und scheinbar wird man sie in dieser Form auch nicht wieder zu sehen bekommen. Zumindest wird nichts dergleichen weiter gebaut und alles was so gebaut wurde, wird momentan nach und nach abgerissen. Seit 2012 sind die Fassaden von Bürohäusern, speziell aus den 80er-Jahren, für mich (wieder) ein Thema. Bei den Renovierungsarbeiten des Europäischen Patentamtes in München 2012, konnten knapp 100 Isolierglasscheiben (213 x 110 cm 60 KG) dieser mittlerweile architektonischen und wärmetechnischen Dinosaurier vor dem Wegwerfen gesichert werden. 2013 wurden aus einem von Sauerbruch Architekten kernsanierten Siemens Gebäude in München etwa 20 Stück (160 cm x 140 cm 80 KG) der Fassaden und Fensterelemente gesichert. Seitdem entstanden Kooperationen mit Künstlern (Haubitz und Zoche, Benjamin Planitzer, Katrin Bertram ), Designern (Konstantin Landuris), Architekten (UNS Architektur Büro) und Handwerkern mit verschiedensten Ansätzen.

 Wie kommst du auf deine Ideen? Was inspiriert dich?

Grundsätzlich verspüre ich an fast jedem Ort eine Energie. Ich versuche meine Umgebung zu verstehen. Warum, was, wie, wo. Daraus ergibt sich dann automatisch eine Möglichkeit, eine Idee oder ein Impuls mit dem zu Arbeiten was ich vorfinde.

Du bist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs super+. Wie unterscheidet sich das künstlerische Schaffen im Team von der Arbeit alleine?

In der Künstlergruppe zu arbeiten ist immer spannend, oft werden dir Entscheidungsprozesse erleichtert und du kommst schneller zu einem Ergebnis, eigene Ideen werden von den Kollegen weiterentwickelt und werden oft zu etwas komplett anderem als du es dir ursprünglich selbst vorgestellt hast. Durch die Zusammenarbeit ist oft mehr machbar. Aber man muss sich auch unterordnen können. Das ist für Künstler-Egos oft das Schwierigste. Da wir aber aus sehr unterschiedlichen Richtungen kommen, Design, Malerei und Skulptur, ergänzen wir uns meistens sehr gut! Arbeitest du für dich, musst du auf niemanden Rücksicht nehmen und kannst komplett in deinem Rhythmus arbeiten. Den Zweifeln musst du dich jedoch selbst stellen. In der Gruppe kann man sich immer ein wenig davor verstecken und die Entscheidungen zusammen abwägen.

Künftige Projekte
  • 22. September: Künstlerwagen zum historischen Trachtenumzug, in Zusammenarbeit mit super+. Die bayerische Tradition in München wird künstlerisch aufgearbeitet: Was wäre das Oktoberfest ohne Gestaltung? Jedes Zelt sieht wie ein Theater aus – wie kann man diese Tradition aufnehmen?
  • 25. November: Einzelausstellung im Rahmen seines Stipendiums in der Villa Concordia in Bamberg

Sie finden die Arbeit von Alexander Deubl spannend und würden gerne einen tieferen Einblick in seine Arbeit erhaschen? Dann schauen Sie doch mal auf seinem Instagram-Account vorbei!

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Hallo, ich bin Claudia. Wie kann ich Ihnen helfen? 0800/42 42 42 7