12 Juli, 2019 Flurina Schnyder

Martina Koula – Werbetexterin mit eigenem Modelabel LAKOULA

Fragen zur Handwerkstradition von morgen. Schon heute.

Wie eine Werbetexterin zum Modedesign kommt und was das alles mit Handwerk zu tun hat, verrät uns Martina Koula in einem spannenden Interview:

 1.  Ist Mode Kunst oder Handwerk?

Mode, die Kunst sein will, ist meist nicht tragbar und gehört ins Museum. Das ist o.k., doch ich würde den Begriff ‚Design’ vorschlagen. Gutes Design beantwortet Fragen des Stils, des persönlichen Ausdrucks und der Innovation. Und: Design lebt von brillantem Handwerk.

 2.  Du bist Werbetexterin und machst Mode. Was fasziniert Dich an Deinen Berufen?

Mich fasziniert, dass die Kreativität einer Texterin mit der einer Modedesignerin viel gemeinsam hat: Als Texterin arbeite ich mit Sprache, als Modedesignerin mit Körpersprache. Und immer geht es um eine spannende, passgenaue und ungesehene Idee.

 3.  Was ist das Wichtigste, um Deine Berufe ausüben zu können?

Das Talent, Probleme als Herausforderung zu sehen und Lösungen zu finden, die Spaß machen. (Albert Einstein hat das auch schon gesagt ;-)) Ich glaube an die Kraft der guten Idee. Und mir macht es Spaß, Dinge in die Hand zu nehmen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

LAKOULA – Style mit Bewegungsfreiheit. Radeln ist sehr, sehr wichtig…

 4.  Du kommst aus einer Maßschneiderfamilie – wurde Dir das Handwerk also in die Wiege gelegt?

Für meinen Bruder und mich war das Atelier unseres Vaters unser zweites Zuhause, wir kannten die Stoffe beim Namen und durften uns schon früh an die Maschinen setzen und kreativ werden. Fleiß, Ausdauer und Hingabe an jeden Arbeitsschritt waren hohe Werte bei uns. Auch die Art, wie sich mein Vater mit den Kunden unterhalten hat – sehr wertschätzend und selbstbewusst – hat mich geprägt. Überhaupt der ganze Schaffensprozess fasziniert mich: Ein paar Meter Stoff, die nach dem Maßnehmen und zwei Anproben zu einem Anzug werden, der dem Kunden richtig, richtig gut steht.

 5.  Was bedeutet Tradition für Dich?

Traditionen geben Gemeinschaften Orientierung und Halt. Es sind verbindliche und verbindende Regeln, die aus guter Erfahrung heraus geschaffen wurden. Das hat auch was mit Respekt zu tun und mit etwas, worauf man stolz sein kann. Ich persönlich finde, nur wer sich mit einer Tradition auskennt, darf sie infrage oder auf den Kopf stellen.

 6.  Unser Slogan heißt „Crafty. Handwerkstradition von Morgen“. Wieviel Texter-Handwerk steckt in diesen Slogan?

Handwerk ist zum Beispiel, dass ich Euch im Vorfeld Löcher in den Bauch gefragt habe, um zu erkennen, was genau Crafty ausmacht. Dann baute ich mir ein Arbeitsgerüst, an dem entlang ich meine Ideen aufhing. Handwerk ist auch, wenn ich meine Ideen präsentationsreif aufbereite. Gutes Handwerk ist die Basis von allem.

Martina Koula, die Texterin. Buche mich – als Freie Texterin.

 7.   Dein Slogan heißt „LAKOULA. Kleider für die tollsten Frauen der Welt – meine Freundinnen”. Damit wissen wir, wie Dein Label groß geworden ist. Was machst Du noch, um Deine Marke bekannt zu machen?

Meine Freundinnen sind wirklich der Hammer, um in der Handwerkersprache zu bleiben. Seit Beginn – also seit 4 Jahren – sind die neugierig auf meine Entwürfe, tragen die Sachen und reden darüber. Einmal in Monat gibt es das „LAKOULA Rock-Festival, zu dem ich Kundinnen, Freundinnen und deren Freundinnen per Newsletter einlade. Diese persönliche Ebene und auch die Empfehlungen und Vernetzungen untereinander sind der Herzschlag der Marke. Ansonsten bespiele ich die üblichen Kanäle: Website, Instagram, Facebook und Newsletter. 

 8.  Wie kommst Du auf neue Ideen? Wie und wo lässt Du Dich inspirieren?

Gestern stand meine Freundin Ann, Kostümbildnerin, vor einem neuen LAKOULA Rock aus Gummi mit Frottee und meinte: „Das ist fast unmöglich, aber cool“. Künstlerische, mutige Menschen beflügeln mich. Und wenn ich im Ballett oder Theater bin und Kleidung sehe, die Charakter ausdrückt und Bewegung aushält. (Meine Hochachtung an die Theaterschneidereien!) Alte Werkstätten mit den berufstypischen Werkzeugen berühren mich zutiefst. (Mein Türstopper im Laden ist ein alter Schuster-Leisten). Ich schätze authentische Dinge Wert und liebe es, ihnen eine neue Bedeutung zu geben. Ein gesteppter Skistoff kann es sich bei mir anders überlegen und zu einem Bleistiftrock werden. Oder ein Sakkostoff aus Tweed erlebt vielleicht seine Verwandlung in ein kurviges Abendkleid. Oder eine grüne Plane vom Tennisplatz wird zu einer meiner selbst genähten Einkaufstüten.

 9.  Was brauchst Du, um kreativ zu sein?

Ich brauche eine Aufgabe oder eine Frage, die ich mit einer kreativen Lösung beantworten darf. Am besten morgens. Meist stehe ich sehr früh auf und genieße die Ruhe um mich herum. Noch unberührt von den allzu realen Themen des Alltags bringe ich Ideen zu Papier, drapiere verschiedenste Sachen auf Figurinen, lege Stoffe auf den Boden oder schneide Prototypen zu, die ich dann meinen wunderbaren Schneiderinne weitergeben kann. Auch Text-Ideen brechen bei mir um diese Tageszeit durch wie Löwenzahn durch Asphalt.

 10.  Du produzierst kleine Serien – ist in der Zukunft auch eine größere Produktion geplant?

Noch zieht das Label viel Energie aus den Stückzahlen zwischen 1-20 pro Modell. Da das LAKOULA Design mit den Taschen europaweit geschützt ist, könnte das Label durchaus wachsen und expandieren.

 11.  Was ist Dein größter Wunsch für LAKOULA?

LAKOULA auf dem Cover der VOGUE und glückliche LAKOULA Freundinnen weltweit. Und: ein baldiger Start der Herrenhosen! Das Motto steht schon: LAKOULA zieht auch Männer an.

In meiner Werkstatt. Hier entstehen meine Ideen und Prototypen – mitten in einem Reich von Stoffen, Zutaten und zwei Nähmaschinen. Gefertigt werden die Modelle in Zusammenarbeit mit zwei Schneidereien in Bayern.
Das typische LAKOULA Taschen-Design ist europaweit geschützt.

Fotos: Tom Koula. Stefanie Kresse.   Titelbild: Martina Koulas Netzwerk der „tollsten Frauen der Welt“ – beim monatlichen Rock-Festival im Laden.

Für mehr Infos, besuche LAKOULA auf ihrer Homepage, auf Facebook oder Instagram.

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